Archiv des Autors: Christian

Und die Welt dreht sich weiter

Ich kann aktuell nicht sagen ob die letzten zwei Jahre wie im Fluge vergangen sind oder sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Die subjektive Wahrnehmung scheint scheinbar stark von der aktuellen Situation abzuhängen, in der man sich befindet.

Wir haben in dieser langen Zeit unsere Welt auf den Kopf gestellt. Unsere erste gemeinsame Wohnung aufgegeben und nur wenige Meter entfernt eine größere Wohnung bezogen. In dieser stand für geraume Zeit ein letztes Zimmer leer, von dem wir auf Nachfrage immer behaupteten: „Wir wissen noch nicht was wir damit machen wollen. Vielleicht ein Esszimmer.“

Für unsere Umgebung wurde dann doch mit etwas Vorlauf klar, welchem Zweck dieser Abstellraum letztendlich dienen sollte. Vor vier Monaten – kurz vor Weihnachten – kamen unsere Zwillinge auf die Welt und bestimmen seitdem unser Leben.

Wir erobern uns mit Fortschritten und Rückschlägen beim Abendritual nach und nach wieder etwas persönliche Zeit zurück. Nach einem ersten Monat Elternzeit direkt nach der Geburt ist es bei mir die Arbeit in Teilzeit bzw. der Arbeitsweg, der mir Raum außerhalb der Routine eröffnet. Einen Luxus wie mir nur allzu klar ist.

Mit der aktuellen Epidemie und den Ausgangsbeschränkungen sind leider alle sozialen Kontakte ins Digitale verschoben worden und wir beschränken uns wirklich auf die notwendigsten Kontakte um den Haushalt in Gang zu halten.

Dies ist aktuell besonders deshalb ein Jammer, da unsere beiden Sonnenscheine nun ihre ersten spielerischen Übungen und auch Erfahrungen mit dem nassen Element machen sollten. Dies ist in Gesellschaft zu Altersgenossen aktuell nicht mehr möglich.

Die Großeltern werden mit einen Flut an Bildern und Videos auf dem laufenden gehalten.

Als frischgebackene Eltern wäre der persönliche Kontakt zu „Leidensgenossen“ ebenso hilfreich. Es wird spannend wie nach der Lockerung alles wieder in gewohnte Bahnen zurückfällt. Immerhin türmt sich derzeit die Welle vor Begehrlichkeiten und verpassten Gelegenheiten immer weiter auf und trifft in der Brandung auf den normalen Bedarf an Unterhaltung, Verabredungen, Freizeit und Förderung.

Vielleicht sollte man sich jetzt schon vornehmen nach dem Ende der Ausgangsbeschränkung die ersten Wochen(enden) daheim zu bleiben, während draußen die Kompensation tobt. Ich sehe überfüllte Freizeitparks und verstopfte Flaniermeilen.

So fordernd zwei Säuglinge daheim auch sind, so sehr füllen sie den Tag (bzw. meinen frühen Morgen, Nachmittag und Nacht) und vertreiben dabei jeden Anflug von Langeweile. Entweder weil sie ihre besten Seiten zeigen oder die eigene Geduld strapazieren.

In all der Ungewissheit und mit den morgendlichen Rändern unter den Augen, scheint der Jahreswechsel in weiter Ferne und doch kann ich jeden Tag überaus zufrieden beginnen und schließen.

Passt auf euch auf da draußen.

Heftiger Falke

Einige Freunde und Kollegen haben sich in der Nacht von Sonntag auf Montag den Superbowl angesehen und waren entsprechend erledigt bei ihrem Start in die Woche. Ich habe mir vorgenommen ein Spiel anzusehen, um zumindest die Versuche zu würdigen mir die grundlegenden Regeln der Sportart zu erklären.

Mein Highlight der Abendunterhaltung für diese Woche war allerdings der Start der Falcon Heavy von SpaceX gestern Abend. Ich musste etwas überlegen, wie ich den Tesla als Testladung finden soll. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass dieser kleine scheinbar unsinnige Baustein eigentlich eine witzige Idee ist. Ökologisch und in Bezug auf vermeidbaren Weltraumschrott mag es hier einige valide Kritikpunkte geben, allerdings ist die Zuladung in diesem Fall die Werbemaßnahme für das Gesamtkonstrukt um Elon Musk und damit im Grunde besser als ein großer Block Beton.

An den Landungen der Raketenstufen an Land und auf dem Meer kann ich mich nicht satt sehen. Das Design der Landebeine ähnelt einfach zu sehr der Vorstellung von Raumfahrt in der Retro-Science-Fiction und der typischen Rakete in Zeichentrickfilmen. Hauptsache oben spitz und unten Feuer!

Ich würde mir ja wünschen, dass sich in wenigen Tagen der Kofferraum des Roadsters öffnet und – gleich R2D2 im X-Wing – ein robotischer Passagier als geheimer Anhalter auf seinem Weg um die Sonne (für die Galaxis reicht es dann wohl doch nicht) die Oberfläche des Autos erkundet und darüber berichtet.

Ein Tag am Strand

Eine ganze Wand von Basaltsäulen ist an der Straße nach Langaholt schon aus der Ferne sichtbar. 

Wir wollten nach den Wanderungen in den Höhen auch der Küste Islands einen Besuch abstatten. Die Halbinsel Snæfellsnes hat neben dem wolkenverhangenen Gletscher  auch eine raue Brandung zu bieten, in der sich Robben bis zu den dunklen Stränden vorwagen.

Unser Campingplatz grenzte an eine Kolonie Seeschwalben, die sehr Territorial ihre Nistplätze verteidigen und Scheinangriffe auf jedes sich bewegende Lebewesen flogen. Zehn Meter weiter konnten wir unser Zelt ungestört aufbauen.

Nach drei Kilometern Fußmarsch über den Strand lag die erste Robbe faul im Tang und genoss die wenigen Sonnenstrahlen eines wechselhaften Tages. 

Mit den Bergen im Hintergrund zeigte sich am Abend sogar fast ein klassischer Sonnenuntergang. 


Die Flora hier an der Küste wie auch in den Bergen kann nicht durch Größe punkten, sondern mit Hartnäckigkeit in jeder Ritze Halt zu finden und dort trotzdem ein Meer von Farbe zur Blüte zu bringen. Mit etwas Zeit, gutem Licht und Bereitschaft  sich in den Schmutz zu werfen ist man ganz nahe dran.

Húsafell

Der größte Birkenwald der Insel ist für unseren Geschmack keine Reise wert, aber von Husafell aus sieht man die ersten Gletscher – die Vorläufer des Langjökull – und kann auf die Ebene steigen. 


Kurz vor dem Campingplatz fließt das Wasser wie aus dem Nichts und ohne Zufluss aus einer Steinwand, weil sich unter dem porösen Gestein des Lavafeldes darüber eine wasserundurchlässige Schicht befindet und das Regenwasser in den brausenden Gletscherbach fällt.


Die Wanderung am nächsten Morgen führte uns auf den Bærfell, von dem wir einen wolkenverhangenen Blick auf die schneebedeckten Berge hatten. Der Weg verlief über Schotter der unterschiedlichsten Farben und moosige Flächen mit Bodendeckern, die sich dem rauen Klima widersetzen können.
Das erste Schneefeld aus dem vergangenen Winter, das hier oben noch nicht aufgegeben  hat.

Am Horizont liegen die Gletscher zum Greifen nah und doch führt die anspruchvollste Route noch 20 km über die Ebene zum nächsten Gletscher mit dem Namen „Ok“. Wir wollten es am dritten Tag und ohne Wanderstiefel nicht übertreiben und steuerten nur die nächste felsige Erhebung an. 


Ein schöner Ausflug bei dem sich im oberen Teil der Weg verliert und man gezwungenermaßen selbst seinen Pfad durch das Geröll suchen muss – immer darauf bedacht möglichst wenig der spärlichen Vegetation zu stören.

Glymur 

Wir waren  nicht die Einzigen auf dem Weg zum zweithöchsten  Wasserfall Island – den Glymur. Dabei hatte unser Reiseführer davon abgeraten die Strecke bei Regen in Angriff zu nehmen. Es war nass und sehr windig, aber wir wollen nicht gleich den ersten Tag zu sehr vom Wetter bestimmen lassen. Sollte uns Island die Seite zeigen, die es bereit war zu offenbaren.

Der Weg führte nach dem Parkplatz an einer Stichstraße durch ein grau-blaues Meer von Lupinen, die derzeit in voller Blüte stehen. Es nieselte zunehmend stärker, als wir am Ufer des Flusses auf eine wartende Gruppe Wanderer stießen, die sich kritisch mit der Überquerung desselben auf einem nassen Baumstamm Beschäftigten. Die ersten drei Meter dahin führten allerdings über überspülte Felsen und ein einzelnes Stahlseil war als Hilfe gespannt. 

Wir wartende auf unseren Zeitpunkt, zogen uns bei 8 Grad die Wanderstiefel aus, krempelten Regenhose und Hose bis über die Knie und stiegen barfuß in das Wasser.

Auf der anderen Seite zogen wir uns mit steifen Fingernägel wieder an und begannen mit dem Aufstieg am Rand der Kluft, die das Wasser in das Gestein gefressen hatte.


Ein toller Aussichtspunkt nach dem anderen rückte den Wasserfall stetig näher, während der trockene Kern unserer Kleidung auf den Oberkörper zusammen schrumpfte.


Selbst das Wasser der zahlreichen Zuflüsse wusste bei dem Wind nicht mehr, ob es der Gravitation folgen sollte.



Irgendwann hatten wir das Plateau erreicht und konnten sehen, wie sich der Fluss vor dem 192m hohen Fall über die Ebene aus dem Dunst heraus schlängelte.

Da wir auch hier den Fluss durchwaten wollten, um den Abstieg auf der anderen Seite zu beginnen, suchten wir eine Stelle mit vielen Steinen knapp unter der Oberfläche und arbeiteten uns Schritt für Schritt voran während wir die nächsten Meter planten. Am anderen Ufer waren die Füße taub und die Schuhe so nass, dass wir sie kein weiteres Mal hätten ausziehen müssen. 


Am Auto war klar, dass wir unsere wichtigsten Kleidungsstücke bereits am ersten Tag vorläufig außer Gefecht gesetzt hatten. Dafür hatten wir auf dieser Wanderung über dreieinhalb Stunden die Komfortzone bereits eingerissen und wussten, dass wir uns vom Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen lassen würden. 

Zwei Tage später haben wir nun fast alles wieder trocken – nur  mein saugstarker Pullover benötigt noch einige sonnige Stunden auf der Wäscheleine.

Ab nach Island

Der deutsche Sommer kommt soeben richtig in Fahrt, da fliegen wir in das nass-kalte Island in die Flitterwochen. 

Wir haben einen Mietwagen, in den gerade so eben drei große Koffer passen, wenn man die Rückbank umklappt.  Im Ersten  haben wir unsere Kleidung untergebracht –  die anderen Beiden enthalten unsere Campingausrüstung. Damit wollen wir im Uhrzeigersinn in zwei Wochen rund um die  Insel. Der Himmel wird hier oben derzeit zu keiner Tageszeit richtig dunkel und die Tageszeit lässt sich nicht nach Sonnenstand abschätzen – nur auf die innere Uhr seit dem Aufstehen ist derzeit noch verlass.

Unser Ziel ist es, so viel wie möglich von der Insel aus Feuer und Eis zu sehen und dabei etwas wohlverdienten Abstand zum Alltag zu finden.

Sechs Monate im Zeitraffer

Die letzten sechs Monate waren so ereignisreich, dass sie im Sauseschritt vergangen sind, ohne dass es sich hier im Blog widergespiegelt hätte. Andrea und ich haben uns auf unserer Marokko-Reise verlobt und werden uns in vier Tagen das Ja-Wort geben.

So eine Hochzeit mit Freunden und Familie ist nicht ganz schnell geplant und so war die Zeit und Lust nach der Arbeit etwas zu schreiben spärlich gesät. Nun fahren wir aber direkt nach dem kommenden Wochenende in die Flitterwochen nach Island, wo wir – gleich dem sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser – Camping knapp unterhalb des Polarkreises ausprobieren.

Nun müssen aber noch ganz schnell die letzten Tage Marokko in zwei Blogeinträge verarbeitet werden, wie ich es mir bereits im Dezember so vollmundig vorgenommen hatte. Unsere Wüstentour habe ich heute morgen einfach still und heimlich zurückdatiert, damit dieser Frevel unter den Teppich der Vergangenheit verschwindet.

Vielleicht gibt es nächste Woche schon die ersten Bilder von der Insel. 😀

Wir haben uns sehr bemüht unsere Ausrüstung für alle Eventualitäten zu vervollständigen, aber dennoch werden wir das Zelt erst auf einer hübschen Stelle in Tagesetappe zu Reykjavik zum aller ersten Mal aufstellen. Auf Temperaturen im mittleren einstelligen Bereich während der Nacht und stärkeren Wind ohne direkten Schutz müssen wir uns schon einstellen. Dafür wird es am Tag sogar zwei-stellig!

Bis Samstag teilt sich die Welt einfach in die Zeit VOR und NACH der Hochzeit. Alles danach ist völliges Neuland. 😛

Fortsetzung Marokko

Da habe ich es im Urlaub unter erschwerten Bedingungen geschafft, mit einer gewissen Gleichmäßigkeit unsere Reise zu dokumentieren und finde dann daheim für über einen Monat nicht mehr die Zeit die Serie würdig und zeitnah abzuschließen. Außerdem bin ich noch einer netten Urlaubsbekanntschaft einige Schnappschüsse schuldig. Peinlich, aber den Umständen geschuldet.

Gestern Abend habe ich mich in Lightroom durch die letzten Tage in Marokko gearbeitet und werde in Kürze mit dem Eintrag unserer Wüstentour fortfahren. Der wird ungewöhnlich ausführlich und durchsetzt mit zahlreichen Bildern, weil uns diese 24 Stunden schlicht überwältigt haben. Eine Nacht in der Wüste ist einfach eine tolle Erfahrung und ich kann nur jedem wünschen, diese auch einmal zu machen.